TGA-Fachplanung
Trinkwasserberechnung nach DIN 1988-300
Rohre so groß wie nötig und so klein wie möglich: Das ist die Aufgabe der Trinkwasserberechnung. Wir bemessen Kalt-, Warm- und Zirkulationsleitungen nach DIN 1988-300 – damit an jeder Zapfstelle genug Druck ankommt und das Wasser nirgends lange steht.
- DIN 1988-300
- Ermittlung der Rohrdurchmesser in Trinkwasser-Installationen
- 60 / 55 °C
- Warmwasser am Speicheraustritt / im Zirkulationsrücklauf nach DVGW W 551
- ≤ 25 °C
- Ziel für Kaltwasser – damit sich keine Keime vermehren
Zu groß ist genauso falsch wie zu klein
Zu kleine Leitungen bemerkt jeder: Beim Duschen bricht der Druck ein, sobald in der Küche jemand den Hahn aufdreht. Zu große Leitungen fallen nicht auf – und sind trotzdem ein Problem. In ihnen fließt das Wasser langsam, es wird selten ausgetauscht und erwärmt sich in warmen Schächten. Genau unter diesen Bedingungen vermehren sich Legionellen und andere Keime.
Die Trinkwasserberechnung nach DIN 1988-300 löst diesen Zielkonflikt rechnerisch: Sie ermittelt für jeden Leitungsabschnitt, welcher Durchfluss gleichzeitig zu erwarten ist, und wählt den kleinsten Durchmesser, bei dem der verfügbare Druck bis zur ungünstigsten Zapfstelle reicht.
Norm und Regelwerk
Was die Berechnung nach DIN 1988-300 umfasst
Vom Berechnungsdurchfluss zum Spitzendurchfluss
Jede Entnahmestelle – Waschtisch, Dusche, WC, Küchenspüle – hat einen Berechnungsdurchfluss. Würde man alle addieren, wären die Leitungen viel zu groß, denn nie laufen alle Zapfstellen gleichzeitig. DIN 1988-300 rechnet die Summe deshalb über eine Gleichzeitigkeitsfunktion in einen Spitzendurchfluss um, abhängig von der Nutzung des Gebäudes: In einem Wohnhaus verteilt sich der Verbrauch anders als in einem Hotel, einer Schule oder einem Pflegeheim.
Druckverlust bis zur ungünstigsten Zapfstelle
Vom Versorgungsdruck am Hausanschluss muss bis zur entferntesten und höchsten Entnahmestelle genug übrig bleiben. Abgezogen werden der Höhenunterschied, die Druckverluste von Wasserzähler, Filter und gegebenenfalls Enthärtungsanlage, die Rohrreibung und die Einzelwiderstände von Formteilen und Armaturen. Am Ende muss der Mindestfließdruck der Armatur erreicht sein. Aus dieser Bilanz ergibt sich der Durchmesser jedes Abschnitts.
Warmwasser und Zirkulation
Damit warmes Wasser schnell an der Zapfstelle ist und die Leitungen nicht auskühlen, zirkuliert es in größeren Anlagen ständig. Das DVGW-Arbeitsblatt W 551 verlangt am Austritt des Trinkwassererwärmers mindestens 60 °C und im Zirkulationsrücklauf mindestens 55 °C. Wir berechnen die Wärmeverluste jedes Strangs, daraus die nötigen Zirkulationsvolumenströme, und legen die Regulierventile so aus, dass alle Stränge die Temperatur halten – nicht nur der erste.
Kaltwasser kalt halten
Auch das Kaltwasser braucht Aufmerksamkeit: Es soll nicht wärmer als 25 °C werden. Leitungen neben warmen Rohren, in beheizten Schächten oder in abgehängten Decken mit Leuchten erwärmen sich schnell. Wir planen die Trassen so, dass Kalt- und Warmwasser getrennt geführt und ausreichend gedämmt werden.
Stagnation vermeiden
Wasser, das steht, verliert an Qualität. Deshalb gehören keine Totleitungen in eine Trinkwasser-Installation, und selten genutzte Zapfstellen werden in Reihen- oder Ringleitungen so eingebunden, dass sie bei jeder Entnahme mit durchspült werden. Für Großanlagen zur Trinkwassererwärmung in vermieteten oder öffentlich genutzten Gebäuden schreibt die Trinkwasserverordnung zudem regelmäßige Untersuchungen auf Legionellen vor – eine gute Planung macht sie zur Formsache.
Das Regelwerk als Ganzes
DIN 1988-300 steht nicht allein. Sie ergänzt die europäische Normenreihe DIN EN 806, dazu kommen DIN EN 1717 zum Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen, das DVGW-Arbeitsblatt W 551 zu Trinkwassererwärmung und Legionellen sowie die Richtlinie VDI 6023 zur hygienebewussten Planung und zum Betrieb. Wir planen nach diesem Regelwerk als Ganzem, nicht nach einem einzelnen Blatt.
Leistungsumfang
Was Sie von uns bekommen
- Strangschema der Trinkwasser-Installation: kalt, warm, Zirkulation
- Rohrweitenermittlung nach DIN 1988-300 mit Druckverlustnachweis bis zur ungünstigsten Entnahmestelle
- Zirkulationsberechnung mit Einstellwerten der Regulierventile
- Hygienegerechte Leitungsführung: kurze Stichleitungen, Reihen- und Ringleitungen, keine Totleitungen
- Auswahl der Sicherungsarmaturen nach DIN EN 1717
- Trassen und Durchbrüche im 3D-Modell, abgestimmt mit Architektur und Tragwerk
- Prüffähige Dokumentation, Übergabe als PDF und IFC
Ablauf
So gehen wir vor
- 01 Unterlagen Grundrisse, Nutzung, Ausstattung mit Sanitärobjekten und – wenn bekannt – der Versorgungsdruck am Hausanschluss.
- 02 Trassen im Modell Leitungsführung im 3D-Modell, abgestimmt mit Architektur und Tragwerk.
- 03 Berechnung Spitzendurchflüsse, Druckverluste, Rohrdurchmesser und Zirkulation nach DIN 1988-300.
- Übergabe Strangschema, Berechnung und Modell – als Grundlage für die Ausführungsplanung.
FAQ
Häufige Fragen: Trinkwasserberechnung
Ihre Frage ist nicht dabei? Wir antworten persönlich.
Für welche Gebäude brauche ich eine Trinkwasserberechnung?
Für jeden Neubau und jede größere Sanierung der Trinkwasser-Installation. Für einfache Wohngebäude gibt es ein vereinfachtes Verfahren nach DIN EN 806-3; bei Mehrfamilienhäusern, Gewerbe und öffentlichen Gebäuden ist die Berechnung nach DIN 1988-300 Stand der Technik.
Warum sind zu große Leitungen ein Hygieneproblem?
In überdimensionierten Leitungen fließt das Wasser langsam und wird selten ausgetauscht. Es erwärmt sich, und Keime finden Zeit, sich zu vermehren. Richtig bemessene Leitungen werden bei jeder Entnahme kräftig durchströmt.
Planen Sie auch die Zirkulation?
Ja. Wir berechnen die Wärmeverluste jedes Strangs, die nötigen Volumenströme und die Einstellwerte der Regulierventile – damit an jeder Stelle die Temperaturen nach DVGW W 551 gehalten werden.
Arbeiten Sie mit Architekten und Bauträgern zusammen?
Ja, das ist der typische Fall. Wir übernehmen die Fachplanung für Abwasser-, Wasser- und Gasanlagen in den Leistungsphasen 1–3 und 5 und stimmen die Trassen im BIM-Modell mit Architektur und Tragwerk ab.
Weitere Berechnungen und passende Leistungen
Projekt zu vergeben?
Schildern Sie uns Ihr Vorhaben. Für eine erste Einschätzung genügen Gebäudetyp, Bruttogrundfläche und die gewünschten Leistungsphasen.